Historie

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Die Firma Hermann Jürgensen wurde am 1. Mai 1878 vom Buchbindermeister Hermann Jürgensen in Lübeck als Buchbinderei gegründet. Damals wurde mit ganz einfachen Hilfsmitteln gearbeitet, denn Maschinen gab es nicht; selbst die Pappen wurden mit dem Messer aus freier Hand geschnitten. Im Jahr 1880 kam zu der Buchbinderei ein Ladengeschäft für Papierwaren hinzu, das von der Ehefrau von Hermann Jürgensen, Helene Jürgensen, geführt wurde. 1889 ergab sich die Gelegenheit das Papier- und Galanteriewarengeschäft von A. Müller in Altona an der Elbe zu erwerben und so zog die Familie in die, damals noch freie, Stadt Altona. Der Vermittler für diesen Kauf war der Papierhersteller Lehmann & Hildebrandt.

In der Königsstraße 184 waren sowohl die Geschäfts-, als auch die Wohnräume der Familie. Und die Firma wurde immer größer, 1897 kam zu der Buchbinderei eine Buchdruckerei hinzu, zu der bereits vorhandenen Druckmaschine für Besuchskarten und Briefumschlägen kamen eine Tiegeldruckmaschine und zwei Phönix- Pressen. Auch die Fortführung des Lebenswerkes von Hermann Jürgensen war bereits gesichert. Der eine Sohn, Otto Jürgensen, erlernte das Papierfach bei der Papiergroßhandlung Poensgen & Heyer und volontierte danach in Rostock und Berlin, während der andere Sohn, Ernst Jürgensen, der Großvater der heutigen Inhaber, bei J. H. Behrmann & Sohn in Hamburg lernte und in Dresden und Lübeck volontierte.

1913 wurde eine kleine Abteilung für Bürobedarf und Kontormöbel gegründet, die von Ernst Jürgensen übernommen wurde, während Otto Jürgensen die Buchdruckerei übernahm. In den folgenden Jahren wuchs die Firma trotz aller Schwierigkeiten, die die Jahre des ersten Weltkrieges und der darauffolgenden Zeiten brachten. Ernst Jürgensen wurde im August 1915 verwundet und 1916 aus dem Heeresdienst entlassen. Otto Jürgensen kam 1918 erkrankt aus dem Feld zurück. Während dieser ganzen Zeit führte Hermann Jürgensen, trotz seines Alters, die Firma. Und trotz der Inflation wuchs die Firma in einer gesunden Art und Weise. Aber die Inflationszeit war eine sehr schwere Zeit, denn die Preise wurden täglich neu festgelegt und auch die Löhne wurden fast täglich ausgezahlt. Nach Einführung der Reichsmark im Jahr 1924 kam die Wirtschaft allmählich wieder in normale Fahrwasser. Aber leider war es Hermann Jürgensen nicht vergönnt, die ruhigen Jahre zwischen den beiden Weltkriegen zu genießen. Am 28. Oktober 1927 schloss der 73-jährige seine Augen.

Seine beiden Söhne führten die Firma weiter und konnten am 1. Mai 1928 bereits das 50-jährige Jubiläum der Firma feiern. Zusammen mit ihrer Schwester Clara, die das Ladengeschäft weiterführte, schufen Sie eine gesunde und wachsende Firma. 1930 wurde die Firma als erster Hamburger Händler Mitglied der damaligen Großeinkaufsvereinigung deutscher Bürobedarfshändler, kurz gdb, um den Kunden ein breiteres Spektrum an Bürobedarf und einen besseren Service bieten zu können. Als Einkaufsgenossenschaft bot die gdb damals gemeinsamen Einkauf, Eigenaufmachungen und gemeinsame Kataloge.

Im Jahr 1933, zur Machtübernahme Adolf Hitlers, hatte die Firma an die 50 Mitarbeiter. Auch die Inhaber waren in das damalige Gesellschaftssystem eingebunden. Viele Mitarbeiter waren in der Partei und auch die Inhaber hatten, allerdings geringe, Funktionen innerhalb der Partei. Die gesamte Firma nahm an den Aufmärschen zum Tag der Arbeit am 1. Mai teil und gleichzeitig konnte man das Jubiläum der Firma feiern.

Aber der 2.Weltkrieg forderte auch Opfer von den Inhabern. Am 25. Juli 1943, als Hamburg zum Ziel großer Bomberangriffe der Alliieren wurde, traf es auch die Firma: sowohl das Ladengeschäft in Königsstraße Ecke Behnstraße, die Buchdruckerei, als auch die Privatwohnungen der Inhaber wurden in dieser Nacht zerstört. Ebenso wurden die 5 Ausweichläger und 3 Tage später auch das Ladengeschäft in der Hamburger Innenstadt ein Opfer der Bomben. Und der nächste harte Schicksalschlag für die Firma kam zwei Jahre später, als der einzige männliche Träger des Namens Jürgensen, Hans- Georg Jürgensen, kurz nach der Kapitulation seinen Kriegsverletzungen erlag.

Nach dem Krieg war der Elan zum Wiederaufbau der Firma aufgrund dieser Schicksalsschläge sehr gedämpft. Die Firma wurde von Ernst Jürgensen und dem Prokuristen Max Harms von zwei Schreibtischen aus, die aus den zerstörten Gebäuden gerettet werden konnten, weitergeführt. Jahrelang konnte sich die Firma nicht erholen. Das Trümmergrundstück in Königsstraße wurde gegen eine kleine Entschädigung von der Stadt aufgekauft und zu einem kleinen Park umgewandelt. Für dieses Geld wurde die erste neue Druckmaschine, eine DIN A4 Heidelberger angeschafft. Aber die Nachfolge innerhalb der Firma war nicht gesichert. Erstens mussten drei Familien von der Firma leben und zweitens zeigte keine der vier Töchter von Ernst Jürgensen Interesse an der Firma. Erst die jüngste Tochter, Edith, begann dann eine Lehre als Einzelhandels- Kauffrau.

Im Jahre 1958 lernte Edith Jürgensen bei einer Tagung den Prokuristen einer anderen Hamburger Bürobedarfsfirma kennen und heiratete ihn am 1. Mai 1959. Sowohl menschlich als auch von der beruflichen Seite war diese Hochzeit ein Glücksfall für die Firma. Georg Bothur hatte vor dem Krieg in Gleiwitz / Oberschlesien in einer Druckerei gelernt und war bereits vor dem Krieg Prokurist beim Oberschlesischem Wanderer, der größten Tageszeitung in Oberschlesien, daher kannte er den Bereich des Druckereigewerbes bereits sehr gut und konnte so ohne Probleme in die Firma einsteigen.

Edith und Georg Bothur betrieben jetzt den systematischen Aufbau der Firma. Edith Bothur übernahm das Ladengeschäft in der Ottenser Hauptstraße und Georg Bothur errichtete mit seinem Schwiegervater eine Buch- und Offsetdruckerei in der Blücherstraße in Altona. Die Räume der Druckerei in der Blücherstraße waren hell und großzügig und man konnte durch den Einsatz der Mitarbeiter auch immer gute Qualität an die Kunden liefern. Schwieriger waren die Verhältnisse im Ladengeschäft, denn der Laden hatte in der Mitte eine Treppe und die Kellerräume waren klein, eng und feucht, also nicht gerade die optimalen Bedingungen unter denen man Kunden einen guten Service bieten kann.

Daher zog 1967 das Ladengeschäft aus den alten Räumen in einen Pavillon in dem neuen Einkaufszentrum in der Neuen Großen Bergstraße in Altona, damals eines der modernsten Einkaufszentren Deutschlands. Neben dem klassischem Bürobedarf richtete man eine große Abteilung für Privatbedarf, Geschenkartikel und Glückwunschkarten ein. 1983 wurde das Ladengeschäft Mitglied der Papeterie- Gruppe innerhalb der gdb, um den Kunden auch exclusive Papierserien und Geschenkartikel anbieten zu können.

1970 zogen der Bürobedarfs- Großhandel und die Druckerei aus den mittlerweile zu klein gewordenen Räumen in der Blücherstraße in neue Räume in den Holtbarg 23 nach Osdorf. Hier konnten sehr große, helle Räume in einer kleinen Gewerbeeinheit angemietet werden, die genügend Platz für die Druckerei und den Großhandel boten. Auch konnte man hier das Bürobedarfs- Lager erweitern, um so die immer größeren Ansprüche der Firmenkunden befriedigen zu können. Aber die Aufgaben wurden allmählich für Georg Bothur etwas viel, immerhin wurde er im Jahr 1976 65 Jahre alt, kam also in ein Alter, in dem andere Männer in den Ruhestand gehen. Daher wurde für die Druckerei ein Mitarbeiter eingestellt, der nach einer gewissen Einarbeitungszeit die Druckerei übernahm. Leider musste dieser dann die Druckerei ein Jahr später wegen finanzieller Problemen schließen.

1980 wurde ein weiterer Umzug notwendig. Aus den Räumen in Osdorf zog der Großhandel wieder in das angestammte Gebiet nach Altona in die Mörkenstraße 11. Hier konnten, in direkter Nähe der Kunden und des Ladengeschäftes in der Neuen Großen Bergstraße, entsprechende Räume mit genügend Lagerfläche angemietet werden. Und allmählich fing auch die vierte Generation an, sich für die Firma zu interessieren. 1981 begann der jetzige Geschäftsführer des Großhandels, Hans- Georg Bothur, eine Lehre als Einzelhandelskaufmann. Zuerst zwei Jahre im Ladengeschäft, um diesen Bereich kennenzulernen, dann ein weiteres Jahr im Großhandel und in der Verwaltung, um dann den Bereich Großhandel zu übernehmen. Im Anschluss machte er ein Praktikum in Bürobedarfs- und Büromöbel-Großhandel der Firma Kamann am Wehrhahn in Düsseldorf. 1986 begann auch Katharina Bothur, die Inhaberin des Ladengeschäftes, ihre Lehre im Ladengeschäft, die sie 1989 als Kauffrau im Einzelhandel abschloss.

1990 wurde die Firma in eine GmbH umgewandelt und die vierte Generation übernahm die Geschäftsleitung. Katharina Bothur ist seitdem für die Ladengeschäfte, Hans-Georg Bothur für den Großhandel verantwortlich. 1991 lernte Hans-Georg Bothur auf einem Büromöbel- Seminar seine spätere Frau, Kerstin Fricke, kennen. Da sie bereits in Herford in einem Bürobedarfs- Großhandel gearbeitet hatte, begann sie 1993 mit viel Erfolg eine Abteilung für Drucker-Tinten und Toner aufzubauen. Im Mai 1995 heirateten die beiden in Salzburg.

Im Jahr 1996 wurde ein zweites Ladengeschäft im Mercado- Einkaufszentrum in Hamburg- Ottensen eröffnet. Das Mercado ist ein geschlossenes Einkaufszentrum mit einem großen Marktplatz mit vielen Lebensmittel- Buden, über 50 Geschäften, der Hamburger öffentlichen Bücherhalle und vielen Serviceangeboten. Hier werden auf über 180qm Schul- und Bürobedarf, Geschenkartikel, Schreibgeräte, Glückwunschkarten und viele andere schöne Dinge präsentiert.

Am Ende des Jahres 1999 wurde Hans-Georg Bothur von einem Lieferanten angesprochen, ob er nicht den Kundenstamm eines Kollegen übernehmen wolle. Gerhard Schuhmacher, ein Spezialist für Registraturen, hatte damals das Rentenalter erreicht und suchte einen Kollegen, der seine Kunden weiter betreuen würde. Durch Vermittlung kam dann ein Kontakt zustande. Zum 1. Januar 2000 übernahm Hermann Jürgensen dann die Kunden von Herrn Schuhmacher, vor allem Behörden und Firmen mit großen Registraturen. Im Januar 2003 übernimmt die Firma Hermann Jürgensen die Firma Manfred W. Hörde Bürobedarf.

Am 19. Juli 2016 verstarb vollkommen unerwartet mit nur 51 Jahren die Geschäftsführerin Katharina Bothur. Sie führte lange Jahre die Firma zusammen mit Ihrem Bruder und war für das Ladengeschäft verantwortlich.

Hermann Jürgensen im Mercado



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